02. September 2010
In einem früheren Beitrag hatten wir uns liebstes Denglisch-Zitat (von Jil Sander) präsentiert – damals noch in dem Glauben, es sei konkurrenzlos.
Tatsächlich aber ist uns ein anderes Zitat untergekommen, dessen Urheberschaft wohl nicht im strengen Sinne bewiesen ist, als dessen Urheber aber sehr viele Belege Hilmar Kopper nennen, den ehemaligen Vorstandssprecher der deutschen Bank (März 2007 in der Süddeutschen Zeitung):
“…jeder muss im Job permanently seine intangible Assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die Benefits alle Ratings sprengen, damit der Cashflow stimmt. Wichtig ist Corporate Identity, die mit perfect Customizing und Eyecatchern jedes Jahr geupdatet wird!“
Wir haben verstanden. Das merken wir uns jetzt.
Nur – es müsste “upgedatet” heißen.
Andreas Cyffka
07. Juli 2010
In einem Interview mit der ZEIT äußerte der Medienwissenschaftler Geert Lovink:
„Das Entscheidende im Netz von heute sind nicht Nachrichten und Meinungen, sondern Selbstdarstellung und Selbstreflexion: Wer bin ich? Was mache ich? Wer befindet sich in meiner Gegend?“
Nun, als Deutschblogger würde ich sagen: Bloggo ergo sum. Ich bin Deutschblogger. Was mache ich: Ich bemühe mich, verehrter Leser, um Ihre Aufmerksamkeit. Und in meiner Gegend befinden sich hoffentlich: Sie!
Weiter Geert Lovink:
„Nachdem man gesurft ist und geshoppt hat, stellt sich die Frage: Was ist eigentlich mit mir? Lebe ich oder werde ich bloß gelebt?“
Beim Deutschbloggen verspüre ich in diesen Tagen ein Gefühl intensiven Erlebens. Die WM, die Tour de France, das sind schon Generatoren großer Emotion, die unseren Blog umgetrieben und angetrieben haben.
Weiter Geert Lovink:
„Es gibt sachliches, heroisches und desperates Bloggen. Auch haben Blogs zweifellos Aspekte von Reklame in eigener Sache. Man kann das Profil seiner selbst nach Belieben erstellen und wieder verändern, beispielsweise, indem man idealisierte Fotos von sich anfertigen lässt. Doch geschönte Bilder funktionieren im Netz letztlich nicht. Die Leserschaft merkt auf Anhieb, ob jemand von sich selbst spricht oder nicht.“
Eben. Das Foto in ABOUT zeigt wirklich mich, ich versuche sachlich zu bleiben und im Zweifelsfall eher heroisch als desperat zu bloggen. Und ich stehe dazu, Reklame für PONS Die deutsche Rechtschreibung zu machen. Musste mal gesagt werden. Die Leserschaft, das sind Sie – und Sie, ja, Sie auch! Sie alle haben es gemerkt.
Heroisches findet derzeit nicht nur in den Stadien Südafrikas statt. Wieder ist es die ZEIT, die sich heroisch einem wirklichen Großthema und heute die Frage stellt:
Ist Deutsch noch zu retten?
„Der Wind of Change bläst durch die deutsche Sprache. Von allen Seiten verschaffen sich die seltsamsten Wörter, die absurdesten Redewendungen unerwünschten Zutritt, und die Sprachschützer, die einst zu den Sonderlingen und Querulanten gerechnet wurden, erhalten wachsenden Zulauf.“
Gar nicht so sehr mangelndes Sprachwissen oder Denglisch sei die Gefahr für die deutsche Sprache, sondern „die Tatsache, dass Deutsch auf den wichtigsten Gebieten des öffentlichen Lebens, in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, eine schwindende Rolle spielt. Englisch tritt an seine Stelle.“
Der „leise, aber dramatische“ Wandel mache sich fest am Rückgang der Bedeutung des Deutschen als Wissenschaftssprache.
Es sei überdeutlich erkennbar an der beherrschenden Rolle des Englischen in der Wirtschaft und der Politik.
Und schließlich an dem Fakt, dass
„ alle Bereiche unserer Lebenswelt, die als modern oder zukunftsträchtig gelten, anglofon geprägt sind: das Internet, die Computertechnik, die Welt des Konsums, die Pop- und Jugendkultur.“
Freilich gelte „English is the easiest language to speak badly.“ Will heißen, dass man eine Art Basisenglisch schnell erlernt, welches zu perfektionieren aber sehr schwer ist .
Die internationale Verständigungssprache im strengen Sinn sei daher gar nicht Englisch, sondern eher »Globalesisch« , eine neue Lingua franca. Das ist auch nicht völlig neu: Der geschätzte Blogger Anatol Stefanowitsch hat diesen Punkt auf seinem Blog bereits eindrucksvoll erhellt. Die Linguistin Barbara Seidlhofer (Wien) argumentuiert:
Wenn sich ein Portugiese und ein Pole in Brüssel auf Englisch unterhielten, dann sei ein etwa hinzukommender Engländer überhaupt nicht im Vorteil, weil das Hochenglische und das Lingua-franca-Englische zwei gewissermaßen verschiedene Sprachen seien.
Barbara Seidlhofers Forschungsgebiet ist das gesprochene Lingua-franca-Englisch, und sie hat mit Kollegen eine Datenbank eingerichtet, den Vienna-Oxford International Corpus of English, kurz Voice.
Der Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant gar glaubt „Anzeichen dafür zu erkennen, dass die deutsche Hochsprache insgesamt bedroht sei, weil sie von unten her durch das Vordringen von Dialekten und Rudimentärsprachen zurückgedrängt werde, von oben her durch das Englische.“
Gefallen hat uns die kritische Feststellung am Ende des Artikels, dass nicht “das Englische” , sondern wichtigtuerischer und gedankenloser Gebrauch von vermeidbaren Anglizismen und Pseudoanglizismen uns sauer aufstößt und dem Deutschen “schadet” .
Die große Zahl von Kommentaren zur Online-Version des Artikels überrascht uns nicht. Sprachfragen um Anglizismen-Sinn und –Unsinn sind emotionale Fragen. Wir als Wörterbuchmacher legen uns in dieser Frage professionelle Emotionslosigkeit auf und vertreten bewusst eine deskriptive Position; wir zeichnen auf, was sprachlich der Fall ist- Eyecatcher oder Eiertomate. Sehr demokratisch sind da doch die Schweizer: Die haben das Eigengoal.
Andreas Cyffka
05. Juli 2010

Nach Meinung des Philosophen Peter Sloterdijk verhält sich „der Sport (…) zum Alltag wie das Heilige zum Profanen.“
Da muss was dran sein – oder kennen Sie viele Phänomene, die es fertig bringen, 300 000 Menschen zu versammeln – noch dazu in friedlicher Atmosphäre?!
So bringen auch jene, die über das derzeit alles beherrschende Fußballfest schreiben, nicht nur Blumen des Guten hervor. Am Tag des Viertelfinales beging die BILD-Zeitung folgendes verbales Foul: „Adios, Diego! Dein Messi bekommt heute auf die Fressi.“
Und auch jenseits eindeutiger sprachlicher Abseitspositionen gerät Humor schon mal ins Aus; ob eine „Pizza Maradona“, die laut ihrem Erfinder „nix drauf hat“ in ihrer unsportlichen Häme wirklich bekömmlich ist?
Die Weltpresse überschlug sich am Sonntag geradezu mit Meldungen über den Traumsieg der deutschen Nationalelf. Da war von Blitzkrieg, fliegenden Panzern und Fußballwalze die Rede.
Eine Lieblingsschlagzeile stand jedoch im SonntagsBlick (Schweiz): „Die Messi ist gelesen.“ Die Redewendung „Die Messe ist gelesen“ bedeutet, dass etwas unwiderruflich vorbei ist; treffender und eleganter hätte man es nicht formulieren können.
Iris Leibold/Andreas Cyffka
28. Mai 2010
EINSTIEGSGEBOT
Das Onlinewörterbuch PONS Die deutsche Rechtschreibung ging im Spätsommer letzten Jahres mit rund 140.000 Stichwörtern an den Start. Das entspricht der Stichwortzahl des Printwerks, das – ein Novum bei PONS! – erst nach dem Launch im PONS Sprachenportal erschien. Wir wollen nun nicht behaupten, dass 140.000 Stichwörter für ein Rechtschreibwörterbuch WENIG wären. Schließlich liegt diese Zahl deutlich oberhalb dessen, was in dieser Wörterbuchkategorie anderweitig angeboten wird.
WITH A LITTLE HELP FROM OUR FRIENDS
Bei PONS haben wir in Sachen Rechtschreibung den Web 2.0 -Gedanken dem Wörterbuch gewissermaßen implantiert. Dieses Feature – das Wörterbuch zum Mitschreiben – hat sich als “opendict” in den Fremdsprachenwörterbüchen des Sprachenportals bewährt, warum sollte dies nicht auch “auf Deutsch” funktionieren?
ES HAT FUNKTIONIERT
Um 4100 Stichwörter ist PONS Die deutsche Rechtschreibung gewachsen! Mehr als 144.000 Stichwörter können heute online nachgeschlagen werden.