02. September 2010
In einem früheren Beitrag hatten wir uns liebstes Denglisch-Zitat (von Jil Sander) präsentiert – damals noch in dem Glauben, es sei konkurrenzlos.
Tatsächlich aber ist uns ein anderes Zitat untergekommen, dessen Urheberschaft wohl nicht im strengen Sinne bewiesen ist, als dessen Urheber aber sehr viele Belege Hilmar Kopper nennen, den ehemaligen Vorstandssprecher der deutschen Bank (März 2007 in der Süddeutschen Zeitung):
“…jeder muss im Job permanently seine intangible Assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die Benefits alle Ratings sprengen, damit der Cashflow stimmt. Wichtig ist Corporate Identity, die mit perfect Customizing und Eyecatchern jedes Jahr geupdatet wird!“
Wir haben verstanden. Das merken wir uns jetzt.
Nur – es müsste “upgedatet” heißen.
Andreas Cyffka
16. Juli 2010

Teil 1: Die große Burger-Degustation
Hunger ist ein Motor des Bloggens. Der Magen knurrt, nun muss ein Text schnell fertig werden. Aber Hunger kann den Blogger auch auf den Weg zum Text führen. So machte ich mich heute auf, um in der Mc Donald’s-Filiale am Stuttgarter Hauptbahnhof den Nürnburger, über den ich so viel geschrieben hatte, im Auftrag des Deutschblogs zu verkosten. Schnödes Kalorienzählen – so war ich entschlossen – würde ich redaktionellen Belangen hintanstellen (mein Gewissen jubelte). Doch der Nürnburger war bei McD am Hbf noch nicht zu haben.
Ulis Worte in seinem Blog waren also prophetische gewesen:
“Die Frage ist nicht, ob ich den Burger verkaufen kann, sondern wann.”
Teil 2: Leben mit Stil
Wurde der physische Hunger schon nicht gestillt, dann würde es vielleicht jener nach schönen Haushaltsgegenständen, beworben mit anspruchsvoller Sprache. So nutzte ich die verbleibende Zeit in der Stuttgarter Bahnhofsgegend – natürlich nur zum Besuch im “Showroom” eines bekannten Versenders. Immer wieder ein Erlebnis, die im Katalog so eloquent beschriebenen Produkte in natura zu sehen, nur umflort von der Katalogpoesie, die exklusiv nur die Firma mit dem latinisierten Namen bietet. Die müssen sicher oft im Rechtschreibwörterbuch nachschlagen. Aber es gibt sie ja noch, die guten Wörterbücher (Nein, wir meinen hier nicht das von Mackensen, das dort mal vertrieben wurde).
Teil 3: Leben mit Stil Teil 2
Wochenend und Sonnenschein. Letzterer erinnert mich, dass ich ja einen Sonnenschirm kaufen muss. Ein Designladen in einem benachbarten Universitätsstädtchen liegt auf meinem Weg zum Neckarbiergarten. So kommt es, dass ich dem vor der Designladentür postierten Designsonnenschirm namens “Shady Lace” begegne, der die Liebe auf den ersten designgeschulten Blick hätte werden können, wäre da nicht das alte Designmotto zu beachten, das da lautet: “Form Follows Einkommen” (oder so ähnlich). Der designtypische Preis lässt mich vom Schirmkauf absehen – und aus dem Englisch-Onlinewörterbuch von PONS.EU erfahre ich mit einigen wenigen Klicks, dass “shady” nicht nur “schattig”, sondern auch “fragwürdig” heißt. Wie sagte einst ein chinesischer Designer über seine Bambusschirme: “Die sein schön!”
Andreas Cyffka
15. Juli 2010

Die WM ist vorbei, doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel und nach dem Burger ist vor der Reinkarnation des Burgers im Deutschgewand. Die Sensation perfekt macht FC-Bayern-Präsident ( und für viele sicher neu: Wurst-Fabrikant) Uli Hoeneß, der mit McDonald’s kooperiert und dessen Nürnberger Rostbratwürstchen seit dem 5. Juli als “Nürnburger” in der Schnell-Ess-Kette zum Verzehr stehen.
Das nach Aussagen auf dem Nürnburger- Blog (jawohl den gibt es – it’s a blog’s world after all) komplexe Burger-Engineering mündete in einem aus drei Würstchen, Röstzwiebeln, Senfsauce und Ciabatta-Semmel bestehenden Konstrukt, das zunächst für drei Monate in den 1.350 deutschen McD-Filialen angeboten wird. Gewissermaßen ein Steilpass in die Welt der Schnellen Nahrung.
Uli gibt sich derweil optimistisch:
„Die Frage ist nicht, ob ich den Burger verkaufen kann, sondern wann.”
Wir drücken schon mal unsere senfverschmierten Daumen:
May this mood last with the food that’s fast!
Ihren Einwand, wir füllten hier das Sommerloch mit nicht-sprachwissenschaftlichen Themen, haben wir schneller entkräftet als Sie einen Big Tasty Bacon herunterschlingen können: Der Nürnburger ist auch unter germanistischem Aspekt eine beachtliche Errungenschaft. Kombiniert er doch das Element „-burger“ (sehr begrenzt produktiv in „Hamburger“ und „Cheeseburger“ ) mit dem heimelig-lebkuchenhaft und irgendwie urdeutsch klingenden „Nürn-”.
Ein Gedicht von Wortkombinatorik, ein Gericht von Sportrhetorik:
Uli Hoeneß: „Ich komme gar nicht dazu, meine Burgererfindung vorzustellen. Ständig dreht sich alles nur um das Thema Fußball. Dabei bin ich doch auch Wurstfabrikant und Erfinder. Genau genommen: Burger-Erfinder! Und als solcher möchte ich endlich auch ernst genommen werden. Danke.“
„Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen: Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann.“
(Winston Churchill)
Andreas Cyffka
05. Juli 2010

Nach Meinung des Philosophen Peter Sloterdijk verhält sich „der Sport (…) zum Alltag wie das Heilige zum Profanen.“
Da muss was dran sein – oder kennen Sie viele Phänomene, die es fertig bringen, 300 000 Menschen zu versammeln – noch dazu in friedlicher Atmosphäre?!
So bringen auch jene, die über das derzeit alles beherrschende Fußballfest schreiben, nicht nur Blumen des Guten hervor. Am Tag des Viertelfinales beging die BILD-Zeitung folgendes verbales Foul: „Adios, Diego! Dein Messi bekommt heute auf die Fressi.“
Und auch jenseits eindeutiger sprachlicher Abseitspositionen gerät Humor schon mal ins Aus; ob eine „Pizza Maradona“, die laut ihrem Erfinder „nix drauf hat“ in ihrer unsportlichen Häme wirklich bekömmlich ist?
Die Weltpresse überschlug sich am Sonntag geradezu mit Meldungen über den Traumsieg der deutschen Nationalelf. Da war von Blitzkrieg, fliegenden Panzern und Fußballwalze die Rede.
Eine Lieblingsschlagzeile stand jedoch im SonntagsBlick (Schweiz): „Die Messi ist gelesen.“ Die Redewendung „Die Messe ist gelesen“ bedeutet, dass etwas unwiderruflich vorbei ist; treffender und eleganter hätte man es nicht formulieren können.
Iris Leibold/Andreas Cyffka